Vom Großen zum Kleinen

  • 21.06.2018

,,Vom Großen zum Kleinen"

Mit Brigitte Koll beherbergt der Senioren-Wohnpark Leipzig – Stadtpalais einen großen DDR-Schlagerstar.

Seit März 2017 wohnt Brigitte Koll in unserem Wohnpark. Frau Koll, ehemals Rabald, war 1955 laut einer Umfrage der Zeitschrift ,,Junge Welt“ die beliebteste Schlagersängerin der DDR. Mitte der 60er Jahre zog sie sich von der Bühne zurück. Bis heute ist sie vielen ehemaligen DDR-Bürgern musikalisch noch in guter Erinnerung geblieben. Selbst auf Youtube sind fast alle ihrer Titel archiviert und zu hören.

Auf die Frage, ob ich einen kleinen Artikel über sie verfassen kann, sagte sie: „Wissen Sie, ich bin ja immer so dagegen. Im Allgemeinen mochte ich keine Interviews. Aber von mir aus!“ Das letzte Interview gab Brigitte Koll nach ihrer Rückkehr aus Florida vor fast 18 Jahren gegenüber dem MDR. Den Inhalt weiß sie heute nicht mehr genau. 

 

Heute sagt Frau Koll über sich selbst: „Ich war immer zufrieden  mit meinem Leben! Das Alter jedoch macht mir schon sehr zu schaffen. Es ist ein Problem für mich, all die Einschränkungen des Alters anzunehmen. Am meisten fehlt mir das Autofahren. Es gibt noch so viel, was ich tun oder klären möchte aber einfach physisch und psychisch nicht mehr bewältigen kann. Der Umzug in einen Senioren-Wohnpark bedeutete einen riesigen Einschnitt in meinem Leben. Wenn ich nur an meine Wohnung denke. Ich hatte eine so schöne große Wohnung in der Trufanowstraße. Jetzt habe ich ein Zimmer. 

Ich habe mich anfänglich mit diesem Gedanken, dem Gedanken in ein Heim zu ziehen, sehr schwer getan. Fast zwei Monate nach meinem Einzug in dieses Haus hier habe ich noch an meiner Wohnung festgehalten. Erst dann habe ich diesen Teil meines Lebens verabschiedet und einen neuen hier im Senioren-Wohnpark Leipzig – Stadtpalais wirklich akzeptiert und angenommen. 

Es ist angenehm zu wissen, umsorgt zu sein. Meine Individualität und Selbstbestimmung habe ich behalten. Seit 22. März 2017 bin ich nun ein Part dieses Hauses. Immer wieder habe ich das Gefühl, ich wäre hier nur zur Kur. Erst heute, habe ich mich beim Frühstücksbuffet wieder bei folgendem Gedanken erwischt: Hier sind doch immer die selben Leute! Müssen die denn nicht bald mal abreisen? Dann muss ich über mich selber lachen und ein Schmunzeln ist meinem Gesicht anzusehen. 

Man kann schon wirklich noch viel lachen hier. Über die Menschen mit all ihren Eigenheiten und wie sie oder Andere damit umgehen. Oder über mich selbst und meine über die Jahre manifestierten Seltsamkeiten. Neulich fragte mich ein Taxifahrer, ob ich mich in der Adresse geirrt hätte, als wir vor dem Stadtpalais hielten. Er wollte mich eigentlich lieber zum Tanz ins Ringkaffee einladen. 

Tja mein Lieber: Alles hat seine Zeit im Leben. Nichts kann man wirklich festhalten, aber meinen Humor, den behalt ich mir bis zum Schluss! Mich zieht es nicht mehr in die Öffentlichkeit, auch große Feste und Feiern machen mir mittlerweile keinen Spaß mehr. Ich genieße die Nähe zum Clara Zetkin Park, den Musikpavillon, die vorbei fahrenden Boote und besonders die verschiedenen Menschen auf der Klingerbrücke, welche sich hier Tag für Tag gemeinsam treffen, Musik machen, Kunststücke mit dem Fahrrad üben oder mit Feuer Jonglieren. Ich beobachte gern diese jungen Leute, denk dann an mein eigenes Leben zurück und eine innere Zufriedenheit und Ruhe macht sich in mir breit.

Ich bin sehr dankbar für mein Leben, für all die Dinge die ich erleben durfte, für all die Menschen, die ich getroffen habe, für all meine Freundschaften aber vor allem für meinen Sohn, für meine Tochter und für meine Enkelin in Amerika.“

Wir danken Frau Koll für ihre ehrlichen Worte und dass sie bereit war, ihre Gedanken mit uns über ihren Umzug in den Senioren-Wohnpark Leipzig – Stadtpalais zu teilen.

 

Einrichtungsleiter Stefan Voigtländer 
 

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